Schattenkammer X
Nein. Nein, nein. Nein! So falsch, wie kann sie nur so sein! Durchschneidet mein ureigenes Bild von ihr und vervollständigt es.
Da stehe ich also, losgelöst und in Rage geraten, vollkommen neben mir. Ich will sie würgen, ich will ihr Blut sehen, bis sie schreit! Und kann doch nicht. Ohnmächtige Wut hält mich, und somit Ketten aus dem Stoff des Geistes.
Eine Sperre leuchtet im Regen, gelb und hässlich.
Also verfluche ich dich mit Worten! Oh, du kaltes Wesen, eine Eisprinzessin bist du, hast mich verhext und machst mich fertig. Immer, immer wieder aufs Neue, und immer, immer, immer, immer, immer die Ohnmacht. Hypnotisierst mich mit deiner Ungerührtheit. Vielleicht ist es ja die Eiseskälte, die mich erstarren lässt.
Ich weiß. Ich zweifle nicht. Deshalb hole ich am Papier aus. Nein, ich bin es nicht, die unfähig ist, ich muss stark sein. Sie ist schwach, sie weiß nicht, was sie tut. Was ihr auf diesem Weg bevorsteht. Soll ich mich also als weise betrachten?
Nein, es ist geschehen, und mein Blut kocht! Das Papier ist meine einzige, meine treueste Waffe und so erhebe ich die Feder und steche zu. Es dampft. Du schreist nicht. Ich bin mir sicher, dass du es nicht tun würdest, denn du bestehst aus Eis, umhüllt von einer dicken Schicht warmer Watte.
Du verstehst mich nicht. Du bist ein Alien. Aber auch ich verstehe dich nicht. Trotzdem habe ich die Menschheit und somit die Leidenschaft auf meiner Seite.
Du bist im Unrecht …